Frankl Zitate

Frankl hat oft lange über seine Formulierungen nachgedacht, um sich möglichst präzise und treffend auszudrücken. Hier möchte ich Ihnen ein paar seiner Zitate vorstellen, über die ich gerne immer wieder nachdenke. Ich möchte Ihnen auch ein paar Informationen und ein paar meiner Gedanken dazu vorstellen. Lassen Sie sich inspirieren und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse aus diesen weisen Sätzen.


Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen

Frankl antwortete dies auf die Frage, warum er zu klettern begonnen hat. Denn, fragt er weiter, wer sagt dass man nur Dinge ohne Angst tun kann. Wer sagt, dass man Dinge nicht gerade deshalb tun soll, weil man Angst hat. Frankl liebte das Klettern und verbrachte viele Wochenenden auf der Rax. Wie viele schöne Erlebnisse können wir gewinnen, wenn wir uns nicht alles von uns selbst gefallen lassen, wenn wir uns überwinden? Wenn wir uns durchringen das zu tun, was wir für sinnvoll und richtig halten und nicht nur den einfachen Weg gehen. Frankl nennt das auch die Trotzmacht des Geistes.


Wer ein Wozu im Leben hat erträgt fast jedes Wie

Ist eigentlich ein Zitat von Friedrich Nietzsche. Es drückt sehr plastisch die Idee der Logotherapie aus. Nach seiner Befreiung aus dem KZ kehrte Frankl zurück nach Wien. Das KZ hatte er überlebt denn er dachte an seine Frau, die in einem anderen KZ untergebracht war. Der Gedanke daran, sie wieder zu sehen, gab ihm die Kraft zu überleben. Zurück in Wien musste er erfahren, dass seine Eltern, Geschwister und auch seine Frau ihn nicht erwarteten, dass er alleine überlebt hatte. Da überlegte er, sich den Strick zu nehmen. Aber die feste Überzeugung, dass Leben einen Sinn habe, gab ihm die Kraft weiter zu leben. Die Überzeugung, dass das Leben einen Sinn habe, einen letzten Sinn, den wir Menschen nicht erkennen könnten – denn was wäre es für ein Sinn, den wir verstehen könnten.


Je umfassender ein Sinn desto weniger ist er zu erfassen

Wir unterscheiden zwischen Sinn im Leben, der darauf wartet, gefunden zu werden, und Sinn des Lebens; Was wäre es für ein Sinn des Lebens, den wir erfassen, verstehen könnten? Solch ein Sinn könnte sich nur auf uns selbst beziehen und müsste mit uns verblassen. Den Sinn des Lebens – den letzten Sinn – können wir daher nicht erfassen können. Seine Überlegung erklärt Frankl an einem Vergleich: Ein Affen, an dem ein neuer Impfstoff getestet wird, kann den Sinn seines Leidens nicht erfassen. Dennoch ist sein Leiden nicht sinnlos, denn es hilft vielen Menschen und Tieren, Krankheiten zu überwinden. All die Gräueltaten, die Frankl im KZ erleben und erleiden musste, haben seine Überzeugung nicht getrübt, dass das Leben einen Sinn hat und selbst dieses Leiden einen Sinn haben müsse.


In der Vergangenheit ist nicht unwiederbringlich verloren: im Vergangen-sein ist alles unverlierbar geborgen.

Oft betrauern wir die vergangene Jugend, die schönen alten Zeiten, den Verlust einer guten Freundschaft oder eines lieben Menschen. Frankl verwendet auch die Metapher, dass wir nur die Stoppelfelder der abgeernteten Felder sehen und ermutigt uns, uns an den vollen Scheunen der Vergangenheit zu erfreuen. Denn all die Erlebnisse und schönen Momente sind in unserer Erinnerung verfügbar. Wann immer wir uns an sie erinnern, können wir uns an ihnen erfreuen. Sie können uns Kraft und Mut geben die Gegenwart zu leben und die Zukunft zu gestalten.


Es ist wie mit dem Auge, das seiner Funktion, die Welt zu sehen, nur in dem Maße nachkommen kann, in dem es sich nicht selber sieht.

Frankl postuliert, dass der Mensch Sinn in der „Transzendenz“ erfahren kann, also wenn er über sich selbst hinaus geht; In dem er sich einem anderen Menschen oder einer Sache hingibt. Das Modewort heißt „Flow“, ein Zustand der Selbstvergessenheit, der Freiheit und Unbegrenztheit. Frankl glaubt nicht, dass man in Selbstbezogenheit und Egoismus Sinn und letztlich Zufriedenheit oder Glück erfahren kann. Er warnt vor „Hyperreflexion“ – einem zu intensiven Nachdenken über sich selbst. Er vergleicht das mit dem Auge, das die Aufgabe hat, die Welt zu sehen. Bei grünem oder grauem Star ist die Linse getrübt, das Auge sieht sich selbst also die Trübung der Linse. Seiner Funktion kann es nicht mehr nachkommen.